Schüler lernen Sporthelfer – 06.05.2011, Astrid Hoyer-Holderberg


 
Gocher Gesamtschule bildet Sporthelfer für Vereine und Jugend-Schiedsrichter aus. Ganz rechts: Lehrer Ewdin Zaschka. Foto: Johannes Kruck / WAZ FotoPool

Goch.  Es müssen nicht alle Sport-Cracks sein, die das Wahlpflichtfach Sport gewählt haben. Wakeboard-Fahren, Balancieren auf der Slackline und Fußball spielen gehören zum Unterricht. Aber auch viel Theorie: Statt Schulbuch lernen die Jugendlichen ab 14 Jahre Fußballregeln und medizinisches Wissen.
Und vor allem: Teamfähigkeit, Selbstständigkeit, Organisation, Verantwortung übernehmen. 35 Schüler der Klassen 8, 9 und 10 machen an der Gesamtschule Mittelkreis im Unterricht ihre Ausbildung zum Sporthelfer und einige zum Fußball-Schiedsrichter.
Stütze im Verein
„Als Sporthelfer kann ich als Trainer im Verein aushelfen,“ erklärt die Gocherin Felicitas Lichters, die beim SV Bedburg-Hau Volleyball spielt, ihre Motivation. Aus sechs Gemeinden stammen die Schüler der Gesamtschule. Das hat Breitenwirkung. „Am Ende sollte der Transfer Richtung Verein stehen“, hofft Sportlehrer Edwin Zaschka.
Die jungen Sporthelfer werden ernst genommen und machen allein ihren Job – ob als Riegenführer, beim Papierkram mit Wettkampfkarten, bei der Organisation des Pausen-Sportgeräte-Verleihs. Die Lehrer können sich ganz aufs Training konzentrieren.
„Schulkreismeisterschaften werden fast zu hundert Prozent von den Gesamtschülern gepfiffen“, sagt Edwin Zaschka. Nächsten Mittwoch sind Schüler als Schwimmrichter im Goch Ness eingeteilt – per mail kam der Auftrag vom Landkreis. Und am 9. Juni sind 14- und 15-Jährige in der Wettkampfleitung bei den Leichtathletik-Kreismeisterschaften.
Das hört sich nach viel Aufwand an, für Marie und Jonathan, Jan, Lars, Denise, Hendrik und Vincent aber ist es eine gute Freizeitbeschäftigung. Auch Alisa, Kira, Jannik, Louis und Martin nehmen wie Felicitas die Sache ernst: Für die Achtklässler, die heute auf Inlinern stehen und mit Eishockeyschlägern den Puck durch den Slalom treiben, ist es „Spannung und Spaß“.
Den Sporthelfer-Basisschein machen die Jugendlichen im Schulhaus, den „Gruppenhelfer II“ beim Kreissportbund.
Seit vier Jahren läuft die Kooperation mit dem Fußballverband Niederrhein e.V. (FVN) zur Jugendschiedsrichter-Ausbildung, regelmäßig beobachtet und kontrolliert, mit schriftlicher und praktischer Abschlussprüfung vor dem Verbandschiedsrichterausschuss. Kampf gegen Nachwuchssorgen. Fürs Engagement der Jugendlichen gibt’s ein Taschengeld und freien Eintritt in jedes Stadion.
Moppernde Väter am Spielfeldrand der E-Jugend dürfen von den Gesamtschülern als Unparteiischen freundlich zurecht gewiesen werden: „Ich bin als Schiedsrichter qualifiziert. Sie auch?“ Edwin Zaschka: „Und wenn einer feststellt, dass er dem Druck nicht Stand hält, hat er doch die Erfahrung gemacht, kennt seine Grenzen. Das ist ein wertvolles Lernergebnis“.